Einkommensteuererklärung 2014, schnell (und professionell?)

Das Jahr 2014 ging schnell vorüber, und auch das neue Jahr hat schon einen beträchtlichen Teil hinter sich. Da wird es wieder Zeit, sich um seine neue Steuererklärung zu kümmern.

Die Steuerbescheinigung vom Arbeitgeber liegt vor, die jährlichen Beitrags-, Zahlungs-, Zins- und Steuerbescheinigungen von den Versicherungen, den Ämtern, den Bausparkassen und den Banken sind mittlerweile auch in der Post eingetrudelt. Es fehlt also nicht viel mehr als etwas Motivation, die Aufgabe anzugehen.

 

Besonders motivierte Zeitgenossen besorgen sich nun die neueste Steuersoftware von den einschlägigen Anbietern für relativ schmales Geld oder melden sich beim Elsterportal der Steuerverwaltung an und machen sich munter an die Arbeit, ihre Daten in den entsprechenden Formularen zu erfassen und die Belege beizuordnen.

Diese kostengünstige Alternative erfordert aber schon ein gewisses Maß an steuerlichem Verständnis und an zeitlicher Investition (und so mancher würde auch noch ein Quentchen Masochismus hinzuzählen). Denn gerade im Steuerrecht herrscht ein reger Wandel bei den rechtlichen Vorgaben und Möglichkeiten. Da verliert man leicht den Überblick, wenn man sich damit nur einmal im Jahr beschäftigt. Wenn dann die neuesten Regelungen z.B. zum Ansatz von Handwerkerleistungen nicht bekannt sind, hat man schnell bares Geld verschenkt.

 

Wer sich also weder zu mehr motivieren kann, als die nötigen Belege beisammen zu ordnen, noch gesteigertes Interesse daran hat, ein Wochenende (oder mehr?) im Steuerwunderland zu verbringen, wird sich nach professioneller Hilfe umschauen. Und auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Wer selbst nicht in der Lage ist, seine Erklärung zu machen oder sich professionelle Hilfe zu leisten, kann sich seine gesammelten Werke unter den Arm klemmen und direkt zum Finanzamt gehen, um die Erklärung an Amtsstelle aufnehmen zu lassen.

Allerdings ist wegen der personell schmalen Besetzung im Finanzamt durchaus mit Gegenwehr gegen dieses Ansinnen zu rechnen.

 

Beliebt ist immer wieder auch die kostengünstige Erstellung durch einen „Bekannten, der sich damit auskennt“. Abgesehen davon, dass dies rechtlich in verschiedener Hinsicht nicht zulässig ist, setzt man sich auch dem Risiko aus, im Zweifelsfall bei einem Schaden durch falsche Beratung keinen Ersatzanspruch geltend machen zu können. Und die Qualität der Arbeit dieser Helfer fällt mitunter sehr unterschiedlich aus.

 

Eine bessere Wahl sind da sicherlich die verschiedenen Lohnsteuerhilfevereine, die – in eingeschränktem Maße - gesetzlich dazu legitimiert sind, Einkommensteuererklärungen anzufertigen. Allerdings werden diese Vereine nur für ihre eigenen Mitglieder tätig, denn letztlich handelt es sich um Vereine zur Selbsthilfe. Wer hier beraten werden möchte, muss demnach Mitglied werden. Kosten entstehen dann nicht für die Steuererklärung sondern für den jährlichen Mitgliedsbeitrag. Dieser richtet sich nach den Einnahmen des Mitglieds und liegt bei 2.000 € Bruttomonatsverdienst meist bei um die 100 €.

Die Qualität der jeweiligen Beratung hängt jedoch auch hier sehr vom Beratungsstellenleiter ab. Denn leiten darf solch eine Stelle jeder, der nur drei Jahre lang auf dem einschlägigen Gebiet des Einkommensteuerrechts mindestens in Teilzeit (16 Wochenstunden) tätig gewesen ist. Dafür bedarf es nicht einmal einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

 

Der Steuerberater ist meist deutlich günstiger, als landläufig vermutet wird. Schon ab knapp 78 € wird eine Arbeitnehmerveranlagung erstellt; die entsprechende Erklärung bei 2.000 € Bruttoverdienst pro Monat liegt bei 129 €.

Hinzu kommt, dass ein Lohnsteuerhilfeverein nicht mehr tätig werden darf, sofern Einkünfte aus Gewerbe, Freiberuf, Land- und Forstwirtschaft oder umsatzsteuerpflichtige Einkünfte involviert sind. Und auch bei Einkünften aus Kapitalvermögen, Vermietung und Veräußerungsgeschäften ist die Beratung dort nur bei Einnahmen bis zu 13.000/26.000 € (ledig/verheiratet) zulässig. Dann muss eh ein Steuerberater ran, sofern man nicht selbst die Erklärungen erstellt.

Die Qualität des Beraters wird durch das sehr hohe Prüfungsniveau der Steuerberaterprüfung gesichert, an der jährlich regelmäßig 50-60 % der Teilnehmer nicht ohne Grund scheitern. Außerdem ist der Steuerberater zu stetigen Fortbildung verpflichtet.

 

Es stellt sich also die Frage, ob man nicht für annähernd denselben Preis den Vorzug einer professionellen Steuerberatung in Anspruch nehmen sollte.

Letztlich ist steuerliche Beratung Vertrauenssache. Wenn der Mandant das Gefühl hat, dass alles richtig erfasst und bestmöglich für ihn erklärt wird, erkennt er den Unterschied zwischen einer billigen und einer günstigen Steuerberatung.

Ihr Helge Heibült