Die Reform des Reisekostenrechts

 

Mit Beginn des neuen Jahres ist nun auch das neue steuerliche Reisekostenrecht anzuwenden.

Wesentliche Unterschiede zum früheren Recht ergeben sich aus der neuen Definition der „ersten Tätigkeitsstätte“. Die bisherige „regelmäßige Arbeitsstätte“, deren genaue Bedeutung nie gesetzlich definiert und daher immer wieder neuen Auslegungen durch die Rechtsprechung unterworfen war, findet keine Anwendung mehr.

Durch die neue Rechtslage wird zwar die Rechtsanwendung etwas vereinheitlicht aber auch wesentliche bürgerfreundliche Rechtsprechung ausgehebelt.

 

Die Bestimmung der „ersten Tätigkeitsstätte“ hat besondere Bedeutung für alle Arbeitnehmer (insbesondere auch Leiharbeitnehmer), die nicht dauerhaft an einem Ort arbeiten, da nur die Fahrten zu „ersten Tätigkeitsstätte“ mit der Entfernungspauschale gerechnet wird, während alle Fahrten zu übrigen Tätigkeitsstätten in den Bereich der Reisekosten fallen, für die je gefahrenen Kilometer abgerechnet wird und für die es womöglich auch Verpflegungspauschalen gibt.

Außerdem kann es große Auswirkungen auf die Höhe der Zurechnung eines geldwerten Vorteils für die Zurverfügungstellung eines Dienstwagens haben.

 

Erste Tätigkeitsstätte

Die Annahme einer „ersten Tätigkeitsstätte“ eines Arbeitnehmers setzt nun voraus:

1. Tätigwerden an einer ortsfesten, betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers oder eines seiner verbundenen Unternehmen oder Kunden

2. Dauerhaftigkeit der Tätigkeit

3. Zuordnung zu einer Tätigkeitsstätte

Tätigkeitsstätten können nur ortsfeste, betriebliche Einrichtungen des Arbeitgebers oder Dritter sein, so dass ein häusliches Arbeitszimmer beim Arbeitnehmer dafür ausscheidet. Sollte der Arbeitnehmer nur im Homeoffice und im Außendienst tätig sein, gibt es keine „erste Tätigkeitsstätte“.

Es kann ferner maximal eine „erste Tätigkeitsstätte“ je Arbeitsverhältnis geben.

Dauerhaftigkeit ist gegeben, wenn der Arbeitnehmer einer Tätigkeitsstätte unbefristet oder für mehr als 48 Monate oder aber für die gesamte Zeit eines kürzeren befristeten Arbeitsverhältnisses zugeordnet wird.

Die Zuordnung zu einer Tätigkeitsstätte, die diese dann zur „ersten“ macht, erfolgt entweder durch den Arbeitgeber oder bei Ausbleiben dieser aufgrund allgemeiner Regeln.

Für die Zuordnung durch den Arbeitgeber reichen Hilfs- und Nebentätigkeiten aus.

Im Rahmen der allgemeinen Regeln ist für die Annahme einer Tätigkeitsstätte jedoch die eigentliche berufliche Tätigkeit des Arbeitnehmers am Tätigkeitsort notwendig.

 

Handlungsempfehlungen

Großen Einfluss auf die steuerliche Behandlung hat die Einordnung durch den Arbeitgeber, die in den Lohnunterlagen zu dokumentieren ist. Seine Festlegung der „ersten Tätigkeitsstätte“ entscheidet maßgeblich darüber, wie hoch der geldwerte Vorteil für den Dienstwagen ist, welche Fahrten mit Reisekostensatz oder nur mit der Entfernungspauschale abgegolten werden, ob Verpflegungspauschalen steuerlich ansetzbar sind und weiteres mehr.

Daher ist es enorm wichtig, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgebern umgehend zusammensetzen und in Verbindung mit steuerlicher Beratung über (k)eine Festlegung einer „ersten Tätigkeitsstätte“ entscheiden, damit es später nicht zu unerwünschten Ergebnissen kommt.

 

Ihr Helge Heibült