Ausbildungskosten im Steuerrecht

Ausbildungskosten

Ausbildungskosten sind Aufwendungen zum Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen, die Voraussetzungen für eine spätere entgeltliche Tätigkeit sind. Durch eine Ausbildung wird erst die Basis für das spätere selbständige Leben geschaffen. Es geht also um die Erlangung der Grundlagenkenntnisse für eine spätere Berufsausübung. Für die steuerliche Sicht der Ausbildung ist maßgeblich, dass erst die Ausbildung in die Lage versetzt, in dem gewählten Beruf später Einkünfte erzielen zu können.

Kosten für die allgemeine Ausbildung, z.B. an allgemeinbildenden Schulen, sind mangels eines konkreten Zusammenhangs mit einer späteren beruflichen Tätigkeit steuerlich nicht beachtlich.

Unterscheidung von Ausbildungen

Der Gesetzgeber hat jüngst erneut klargestellt, dass er bei der Beurteilung von Ausbildungskosten grundsätzlich zwei Bereiche unterscheidet.

Aufwendungen im Zusammenhang mit der ersten Ausbildung für einen Beruf können nur als Sonderausgaben berücksichtigt werden, sofern nicht bereits – wie bei betrieblichen Ausbildungen üblich – Einnahmen im Rahmen dieser Ausbildung (z.B. Ausbildungsvergütung) erzielt werden.

Erst die Aufwendungen für eine Zweitausbildung sind als - ggf. vorweggenommene - Werbungskosten oder Betriebsausgaben im Rahmen der Einkommensteuererklärung ansetzbar.

Zu beachten gilt dabei, dass eine erste Ausbildung weder ein Berufsausbildungsverhältnis noch eine bestimmte Ausbildungsdauer voraussetzt.  Daher kann auch schon eine nur wenige Monate dauernde Ausbildung zu Rettungssanitäter eine abgeschlossene erste Ausbildung sein. Aufwendungen für darauf folgende weitere Berufsausbildungen wären dann Werbungskosten oder Betriebsausgaben.

Sonderausgabenabzug

Seit dem Veranlagungsjahr 2012 kann jeder seine Kosten der ersten Ausbildung mit bis zu 6.000 € als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Für frühere Jahre sind es 4.000 €. 

Werbungskosten-/Betriebsausgabenabzug

Aufwendungen für eine Berufsausbildung, der bereits eine andere abgeschlossene Ausbildung vorausgegangen ist, können als Werbungskosten oder Betriebsausgaben unbegrenzt abgezogen werden. Dies kann – im Gegensatz zu Sonderausgaben – sogar dazu führen, dass im Falle von höheren Aufwendungen als Einnahmen im selben Jahr im Ergebnis ein Verlustvortrag entsteht, der in Folgejahren genutzt werden kann. Dies ist insbesondere für Studenten interessant. Das ist auch der Grund warum der Gesetzgeber so genau unterscheidet zwischen erster und folgender Ausbildung.

Ausblick

Nachdem der Bundesfinanzhof bereits zweimal den steuerlichen Abzug von Ausbildungskosten als Werbungkosten oder Betriebsausgaben bejaht hat und jeweils in Folge der Gesetzgeber durch Verwaltungsanweisung oder Gesetz den (beschränkten) Sonderausgabenabzug wieder reaktiviert hat, ist besonders für Studenten in ihrem Erststudium noch nicht alles verloren. Derzeit sind hierzu mehrere Verfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig. Die Aufwendungen sollten demnach zunächst voll geltend gemacht werden.

 

Ihr Helge Heibült