Wussten Sie schon, ...?

 

Betriebswirtschaftliche Planung mit Steuern - Investitionen

Der Sinn einer Investition liegt (wirtschaftlich gesehen) darin, Kapital so anzulegen, dass es sich vermehrt.

 

Natürlich kann es auch Zwecke einer Investition geben, die nicht auf Geld oder Geldeswert ausgerichtet und entsprechend schwer im Wert berechenbar sind. Doch in der Regel geht es um die Vermehrung des für den späteren Verbrauch zur Verfügung stehenden Vermögens.

 

Ob eine Investition sinnvoll ist, lässt sich allerdings ohne nähere Betrachtung aller wesentlichen Faktoren in den meisten Fällen nicht eindeutig beantworten. Gerade weil auch psychologische Punkte dabei eine Rolle spielen, führen intuitiv getroffene Entscheidungen bei der Anlage von Vermögen nicht selten zu nachteiligen Ergebnissen.

 

 

Die Investitionsrechnung

 

Um die Vorteilhaftigkeit einer Investition tatsächlich richtig beurteilen zu können, ist es daher notwendig, eine sogenannte Investitionsrechnung durchzuführen.

 

Als Vergleichsgröße zwischen den verschiedenen Anlagealternativen wird in der Regel der sogenannte Kapitalwert herangezogen. Dieser Kapitalwert fasst die Zahlungsströme im Lebenszyklus einer Investition zusammen, indem er alle Auszahlungen und Einzahlungen unter Berücksichtigung eines Markt- oder sonstigen Vergleichszinses auf einen Zeitpunkt zusammenrechnet.

 

Durch die Berücksichtigung von Zins und Zinseszins in Form des Marktzinsen lässt sich so die Vor- oder Nachteilhaftigkeit einer Investition nicht nur im Vergleich zu anderen Investitionen sondern auch zu Unterlassung einer Kapitalanlage zeigen.

 

Beispiel:

Im Jahr 0 werden 100 € investiert; Rückflüsse erfolgen in Jahr 1 mit 50 €, in Jahr 2 mit 30 € und Jahr 3 mit 25 €.

Ergebnis:

Die reinen Zahlungsströme ergeben -100 + 50 + 30 + 25 = 5.

 

Ohne Berücksichtigung eines Marktzinses erscheint die Anlage vorteilhaft, da es zu einem positiven Gesamtergebnis kommt.

Werden jedoch Zins und Zinseszins in die Berechnung einbezogen und dabei ein Marktzins von 5 % angenommen, ergibt sich ein anderes Ergebnis (hier der Kapitalwert im Jahr 0):

-100 + 47,62 + 27,21 + 21,60

= -3,57

 

Die Summe der Zahlungen ist negativ, die Anlage „vernichtet“ Kapital. Erst ab einem Marktzins von weniger als 2,822 % wäre die Investition (ohne weitere Faktoren) in diesem Fall wieder sinnvoll.

 

 

Der Einfluss von Steuern

 

Neben den rein wirtschaftlichen Einflüssen auf die Zahlungsströme einer Investition gibt es auch noch die steuerlichen Einflüsse.

 

Die Steuern können sich sowohl in Form von Zahlungen an das Finanzamt als auch in Form von Erstattungen vom Finanzamt auf das Ergebnis von Anlageentscheidungen auswirken. Oft wird wegen der gesteigerten Komplexität der Berechnung, aber auch wegen der psychologischen Wirkung der Aussicht auf „Steuerersparnis“ nur noch intuitiv über die Vorteilhaftigkeit einer Investition entschieden. Die Problematik dabei ist aber, dass ohne Einbezug der steuerlichen Auswirkungen in die Investitionsrechnung das Ergebnis mitunter in das Gegenteil verkehrt werden kann.

 

Auch gilt es zu berücksichtigen, welcher individuelle Steuersatz im jeweiligen Jahr zu berücksichtigen ist. Die Steuerersparnis z.B. durch erhöhte Abschreibungen von 100 € in einem Jahr liegt bei einem Steuersatz von 45 % bei eben 45 €; bei einem Steuersatz von 30 % sind es nur noch 30 €.

Ohne ausreichend hohe weitere positive Einkünfte verpuffen die Ausgaben weitgehend ungenutzt.

 

Im Beispiel oben ergibt sich für die Berechnung ohne Marktzins bei einem Steuersatz von 35 %:

Jahr 0: - 100 + 35     = - 65

Jahr 1: + 50 - 17,50  =   32,50

Jahr 2: + 30 - 10,50  =   19,50

Jahr 3: + 25 - 8,75    =   16,25

Insgesamt:                               =    3,25

Unter Berücksichtigung eines Marktzinses von 5 % läge das Ergebnis bei -2,32. Das entspricht den -3,57 abzüglich 35 % Steuereinsparung.

 

 

Beratung nutzen –

Fehler vermeiden

 

Die Aussicht darauf, dem Finanzamt Geld vorenthalten zu können, hat schon oft zu wirtschaftlichen Fehlentscheidungen geführt.

Die Sonderabschreibung von 50 % im 1. Investitionsjahr in Ostdeutschland in den Jahren nach der Wende, hat zwar den Lenkungszweck der stark vermehrten Investition dort erfüllt. Wegen der anschließend häufigen Leerstände und Miet-senkungen gingen aber viele der Anlagen nicht auf und haben viel Geld vernichtet.

 

Lassen Sie sich im Zweifelsfall fachlich beraten, und nutzen Sie so die Erfahrung des Steuerberaters.

 

Ihr Helge Heibült

01.07.2015

wie aktuell (07/2015) das Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung zu beurteilen ist?

Doppelte Haushaltsführungen kommen bei vielen Bürgern immer wieder vor, mal nur übergangsweise, mal dauerhaft. Und oft gibt es dafür berufliche Gründe.

Ist dies der Fall, sollte im Rahmen der Einkommensteuererklärung geprüft werden, ob sie steuerlich im Rahmen des Werbungskostenabzugs angesetzt werden kann, um so die Kosten auch steuerlich zu einer Entlastung zu nutzen.

 

Mit einer Gesetzesänderung hat der Gesetzgeber die Regelungen zu der doppelten Haushaltsführung ab dem Veranlagungszeitraum 2014 neu im § 9 des Einkommensteuergesetzes gefasst.
Damit hat der Gesetzgeber seine in den letzten Jahren vermehrt geübte Praxis der rechtssprechungsbrechenden Gesetzgebung fortgesetzt, mit der unliebsame höchstrichterliche Rechtsprechungen profiskalisch umgangen werden.

 

Im § 9 des Einkommmensteuergesetzes heißt es in Absatz 1, Satz 3:

"Werbungskosten sind auch ...
notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung entstehen.

2Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes seiner ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhält und auch am Ort der ersten Tätigkeitsstätte wohnt.

3Das Vorliegen eines eigenen Hausstandes setzt das Innehaben einer Wohnung sowie eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung voraus.

4Als Unterkunftskosten für eine doppelte Haushaltsführung können im Inland die tatsächlichen Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft angesetzt werden, höchstens 1000 Euro im Monat.

5Aufwendungen für die Wege vom Ort der ersten Tätigkeitsstätte zum Ort des eigenen Hausstandes und zurück (Familienheimfahrt) können jeweils nur für eine Familienheimfahrt wöchentlich abgezogen werden.

6Zur Abgeltung der Aufwendungen für eine Familienheimfahrt ist eine Entfernungspauschale von 0,30 Euro für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstandes und dem Ort der ersten Tätigkeitsstätte anzusetzen.

7Nummer 4 Satz 3 bis 5 ist entsprechend anzuwenden. 8Aufwendungen für Familienheimfahrten mit einem dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer Einkunftsart überlassenen Kraftfahrzeug werden nicht berücksichtigt."

 

 

Zur Ansicht des Bundesfinanzhofes, wie der Lebensmittelpunkt zu bestimmen sei:
BFH, Urteil vom 8.10.2014, VI R 16/14